Argentinien, wir knabbern Dich an.

 

Nein nein, uns hat kein quälender, fieser Tod herniedergerafft, dessen plötzliches Eintreten man bei der ein oder anderen Überfressung manchmal vermutet. Nein, wir waren  verreist. Und wie. Natürlich (auch) im Zeichen der Kulinarik. Und wir haben was mitgebracht: eine kleine Sammlung argentinischer und brasilianischer Schmakazien. Heute zu Ersteren.

Begonnen haben wir unseren Trip mit der besten Entscheidung, seit es Steaks gibt: Wir sind in La Cabrera in Buenos Aires eingekehrt. Leider nur mit der Handykamera, die ganze unverschämte Leckerheit könnte ein Foto aber sowieso nicht rüberbringen:

Etwas verwunderlich fanden wir, dass man immer erst umständlich erklären muss, dass man sein Steak rosa und möglichst dick möchte. Sonst kommt es dünn und durch. Das auf dem Foto ist ein Bife de lomo, also Filet. Dazu gab’s im La Cabrera allerhand Sößchen und Mini-Beilagen, z.B. Süßkartoffel- und Erbsenpüree, Apfelmus, Artischocken, Kürbis und Palmenherzen. Aus den „palmitos“ gab es auch oft einen feinen Salat mit Mayonnaise und Ananas.

Und noch eine weitere Trip-Advisor-Empfehlung können wir durchaus weitergeben: La Brigada. Auch hier wunderbare Steaks. Für Fußballbegeisterte hat Las Cabras aber noch ein paar weitere Leckerbissen in petto: Wände, Decken und Regale strotzen vor Vereinsschals, Reliquien, Fotos und Medaillen und lassen den Kauenden in den schönsten Momenten der Fußballgeschichte schwelgen.

Frühstücken gingen wir am nächsten Tag im traditionsreichen La Briera. Man sollte aber auf jeden Fall reingehen, draußen sieht es aus wie ein plastikaffines Schnellcafé. Wir bestellten die Klassiker: Medialunas (kleine zuckrige Croissants) und Toast mit Dulce de Leche (Creme aus eingekochter gesüßter Kondensmilch). Eins ist uns sehr schnell klar geworden, ohne Dulce de Leche geht in Argentinien gar nichts, es wird einfach überall reingepackt.

Als köstlichen Snack haben wir das Pan de Miga kennen und vergöttern gelernt. Es handelt sich um die argentinische Variante der Tramezzini. Man kann sie quasi per Quadratmeter in allerlei Imbissbuden kaufen. Oder wie wir als Aperitif zum Bier. Mit luftgetrocknetem Schinken und hauchdünnem Käse.

Eine weitere italienische Spezialität, die es in Argentinien überall gibt, sind die Sorrentinos. Man könnte sie als eine Art große, runde Ravioli beschreiben. Sie kommen immer in so viel Soße, dass sie schon fast zur Suppeneinlage werden. In unserem Fall schwammen sie in einer recht hammelig schmeckenden Lammsoße.

Auch ein Getränk darf natürlich in Argentinien – übrigens auch im Süden Brasiliens – nicht fehlen: der Mate. Je öfter wir ihn irgendwo angeboten bekamen, desto mehr Regeln wurden uns bewusst. Gar nicht so einfach. Der Mate wird zubereitet, indem man die Teeblätter in eine Mate – ein kleines Gefäß aus Kürbis, Holz oder Metall – füllt und dieses dann immer wieder mit heißem Wasser übergießt. Der Tee geht dann reihum und wird aus der Bombilla, einem kleinen Metallröhrchen, geschlürft. Man darf sich niemals bedanken, wenn man den Mate überreicht bekommt, es sei denn, man möchte nicht mehr. Das allerdings sollte man vor der dritten Runde vermeiden, sonst könnte sich der fleißige Matemacher beleidigt fühlen.

So sieht übrigens der Mate aus, wenn er noch fröhlich am am Strauch baumelt:

Von Buenos Aires ging es weiter nach Patagonien. In dem kleinen Dörfchen El Calafate machten wir uns mal an eine richtige Schlachterplatte. Und neben uns hingen die Lämmer:

Nach diesem Hochgenuss war aber erst mal Schluss. Es ging für fünf Tage in die Berge – bewaffnet mit einem Gaskocher und einer großen Tüte voller Trockennahrung. Hätte nicht gedacht, wie schnell einem Tütensuppen auf den Wecker gehen. Bei der nächsten Wanderaktion werde ich jedenfalls nur noch asiatische Fertigsuppen mitnehmen. Deren Inhaltsstoffe sind zwar noch kryptischer als bei Knorr, aber dafür schmecken sie besser. Unser Frühstück war aber immer ganz lecker – Haferbrei mit Kakao. Dafür bin ich tatsächlich freiwillig aus dem Zelt in den Regen rausgekrochen.

Gar nicht so viel exklusiver ist die Spezialität unserer nächsten Etappe, Cordoba. Das sogenannte Lomito ist ein Sandwich mit dünn geschnittenem Steak und einem Ei drauf. Man darf vielleicht schlussfolgern, dass Cordoba aus kulinarischer Sicht eher zu vernachlässigen ist. Trotzdem, hier ist das Lomito:

Zu guter Letzt gibt es noch eine wirklich wirklich gute Restaurantempfehlung. Sollte es Euch jemals nach Bariloche verschlagen – und auch das ist empfehlenswert – dann macht Euch auf den Weg zum Almacen de Sabores. Es gibt für ca. 20 Euro ein wunderbares Degustationsmenü, das uns sicher noch lange in bester Erinnerung bleibt. Das Risotto in Nusskruste beispielsweise wird es bestimmt zu einem weiteren Eintrag schaffen – wenn wir versuchen, es nachzukochen.

So, jetzt aber gute Nacht! Achja, hier noch ein schönes Liedchen: Mi Buenos Aires querido