Trollzehennägel: Percebes

 

Ja, es ist eine altbekannte Geschichte, dass Portugals Trolle ihre Zehennägel einst an felsigen Kliffküsten zurücklassen mussten, nachdem sie der Rachegott Igittbao aus dem Nass verjagte. Und noch heute finden emsige Fischer die Nägel, festgesaugt an den Steinen. Sie zerren sie unter wüstesten Anstrengungen an die Oberfläche, um sie für teuer Geld als Percebes zu verkaufen (portugiesisch für Trollzeh).

Wir sahen die Dinger also tatsächlich in einem recht ansehnlichen kleinen Fischrestaurant in der Nähe eben jener Trollküsten. Wir konnten dem unwiderstehlichen Anblick schlichtweg unwiderstehen.

Man nimmt die Viecher in die Hand, greift unerschrocken knapp unter die Zehen und zieht den kleinen Sack um den Schlauch ab. Dann knabbert man das nette Wurmfortsätzchen auf. Es schmeckt nach Salz, nach Meer, nach unendlich alten Felsen, nach grünvioletten Fabelwesen mit Witz und Schmitz. Also eigentlich ganz fein.

Hier noch mal das essbare Teil in groß.

Solltet ihr das irgendwo mal sehen, es lohnt sich wirklich, abzubeißen. Und dann könnt ihr euch ja auch eine nette Gruselgeschichte dazu ausdenken.

Auf jeden Fall war uns bei dem Gedanken, diese Dinger jetzt so ganz allein in unseren Bäuchen zu lassen, nicht ganz geheuer. Deshalb haben wir uns diesen Spatz hier noch einverleibt. Der Cantaril wurde gegrillt und schmeckte nach allem, was man sich für einen Tag am Meer so erträumt.

Dazu natürlich am besten ein bisschen Fado, z.B. von Amália Rodrigues

Vijas Eierlikörtorte

Hoch leben die Achtziger!!

4 Eigelb
200 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
schaumig schlagen

200 g gemahlene Haselnüsse oder Mandeln
2 TL Backpulver
2 TL Kakao
zur Masse geben

4 Eiweiß
schlagen und unterheben

Teig bei 180° 30-45 Minuten backen und anschließend erkalten lassen.
Mit Rum beträufeln, 1 Glas Preiselbeermarmelade darüber streichen. Mit 2 Bechern geschlagener Sahne toppen und obendrauf, ja, den Eierlikör.

Hier kann es keine andere Musikempfehlung geben, als die hier: What a feeling

Kirschgazpacho mit Spargelrisotto

 

Kaltschnäuzig und rotzfrech nachgekocht von dem sehr empfehlenswerten Maria Mulata in Neukölln:

Kirschgazpacho:

5 Tomaten, 250g Kirschen, 1 Dose Tomaten, 3 Knoblauchzehen, 1 Paprika, 1/2 Brötchen, 1 geschälte Gurke, 100 ml Brühe, 1 Chili und Olivenöl pürieren. Mit Salz und Pfeffer würzen und kalt stellen.

Habe mir den Scherz erlaubt, Eisschälchen zu machen. Habe dazu je zwei Porzellanschalen übereinander gestellt, in die untere etwas Wasser gefüllt und ab damit ins Tiefkühlfach. Naja, die Schälchen waren dann etwas sehr flach, aber der Effekt ist super. Die Gazpacho sollte nämlich immer eiseeisekalt in den Mund.

Spargelrisotto:

Im Prinzip kommt hier das 08/15-Risotto-Rezept zum Einsatz… Einziger Unterschied ist, dass man nur sehr wenig Weißwein zum Ablöschen verwenden sollte, damit er den Spargelgeschmack nicht zu sehr übertönt. Und statt Brühe wird regelmäßig Spargel-Kochwasser hinzugefügt.  Ansonsten mit Zwiebeln, Reis, Parmesan, Butter und Zitrone genauso verfahren wie üblich. Kurz vor Schluß kommen die Stangen in mundgerechten Stücken rein (natürlich vorgekocht, sonst hätte es auch kein Spargel-Kochwasser gegeben).

Musik dazu: Ismael Lo – Tajabone

Achja, und zum Thema Gazpacho heute auch mal eine Filmempfehlung: Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs

Nusstörtchen von Julianas Oma

Wahnsinnstörtchen – ohne meine Oma leider nur noch halb so lecker. Man sollte sie trotzdem probieren. Unbedingt. Bei mir gibt’s kein Weihnachten ohne.

Teig:
220 g Mehl
140 g Butter
80g Zucker
1 Ei

Alles kneten, ruhen lassen, ausrollen, ca. 7 cm große Kreise ausstechen. Ca. 10 Minuten bei 180° backen.

Füllung:

125 ml Milch
80 g Zucker
100 g Walnüsse (gemahlen oder im Mörser zerkleinert)
2 EL Mehl
Unter Rühren aufkochen, etwas abkühlen lassen.

100 g Butter
2 EL Rum
Schaumig schlagen und unter den Rest heben.

Evtl. mit Kaffeeglasur (Puderzucker+Espresso) und Walnusshälften dekorieren.

Musik dazu, das einzig wahren Weihnachtslied, zumindest bei den Hirsings: Luciano Pavarotti – Ave Maria

Leb- und Käsekuchen von Claires Oma

Jedes Jahr im Oktober/November klingelt es irgendwann an der Tür. Dann heißt es: Juchheissassa, Omas Lebkuchen sind da!

Und hier kommt das Rezept, natürlich in der Oma-Originalfassung:

 

Wer einmal Omas Backkünste getestet hat, kann gleich weitermachen mit dem Käsekuchen. Leider gibt es hier (noch) kein Foto, weil wir immer zu gierig waren und der Kuchen weg war, bevor die Kamera kam.

Unsere Musikempfehlung – hoffentlich auch im Sinne der Oma: Wiener Sängerknaben – Ihr Kinderlein kommet.

Apples, Hamburg

Wenn man im Hamburger Sommer was zu feiern hat – der Sommer selbst wird’s wohl nie sein – gibt es eine ganz wunderbare Institution. Irgendein Schlauer hat nämlich den Schlemmer Sommer erfunden. Da fürchten tolle Restaurants das Sommerloch und verchecken ihre Menüs für schlappe 60 Euro für zwei. Wir hatten gestern gleich zwei Feiergründe und probierten das Apples aus. Und hüpften danach unglaublich vergnügt nach Hause…

Das Menü:


Kleines Amuse Gueule aus Limetten Panna Cotta und Sockeye Lachs (der uns gleich in der Vorspeise noch mal begegnete). Der Sockeye hat eine festere Konsistenz und schmeckt weniger fischig als der normale Räucherlachs. Die Limettenkresse gab dem Ganzen noch einen guten Schubs in Richtung supadupa. Unbedingt zu empfehlen, werde es definitiv mal nachkochen.

Mein Lieblingsgang: Jede Zutat brachte eine souveräne Note rein: der Lachs, das Merrettich-Eis, die Orangensoße…Die schwarzen Tupfen waren übrigens Knoblauch. Tja und…die Limettenkresse musste wohl weg.

Limetten-Kokos-Chili-Suppe mit karamelisierter Melone. In der Suppe waren auch kleine Melonenstückchen, was das Cremige schön frisch machte. Mmmh! Auch hier die Limettenkresse.

Der Hauptgang bestand aus Perlhuhn mit herrlich knusperiger Haut, Holunderschaum, Pfifferling-Ravioli, Heidekartoffelbrei und Aprikosen. Für meinen Geschmack etwas viel gewollt. Passte alles zu gut zusammen und mir hat was Frisches gefehlt. Die einzelnen Zutaten waren allerdings auf den Punkt und hätten es durchaus verdient gehabt, eine wichtigere Rolle im großen Getöse einzunehmen.

Erdbeeren mit weißer Schoki, Zitronengelee und Zitronenkaramell. Wieder einzeln betrachtet fein, aber in der Kombination doch ein paar Spuren zu süß. Macht nichts, wir gossen mit Lagavulin etwas Torf nach und freuten uns des Lebens.