Schlemmer Sommer no. 2: Piment

Diesmal zeigte sich der Schlemmer Sommer leider etwas unmotiviert. Und das, obwohl wir große Erwartungen hatten, das Hamburger Piment kann sich durchaus guter Kritiken – und immerhin eines Michelin Sternes – erfreuen. Beim Schlemmer Sommer aber wurde das Niveau eindeutig dem günstigen Preis angepasst, schade. Wie auch immer, hier ein Schnelldurchlauf.

Kleine Pizza-Teighäppchen als Amuse-Gueule:

Fluffiges Brot mit gesalzener Butter, Karottenpü mit Kreuzkümmel und Humus:

Der Star des Abends: Gebeizter Lachs in einem Zwiebelschaumsüppchen:

 

 

 

 

 

 

 

Ochsenschulter an einfallslosen Kartoffelpü-Bällchen (mal wieder mit Kreuzkümmel) nebst einer Gemüseterrine:

 

 

 

 

 

 

 

Ganz feine Apfeltarte auf Vanillesauce, daneben ein geschmacksneutraler Geleewürfel. Links ein supersüßes Himbeersorbet auf „Pumpernickel“ (leider nur ein ebenfalls übersüßter Schokokeks):

Trollzehennägel: Percebes

 

Ja, es ist eine altbekannte Geschichte, dass Portugals Trolle ihre Zehennägel einst an felsigen Kliffküsten zurücklassen mussten, nachdem sie der Rachegott Igittbao aus dem Nass verjagte. Und noch heute finden emsige Fischer die Nägel, festgesaugt an den Steinen. Sie zerren sie unter wüstesten Anstrengungen an die Oberfläche, um sie für teuer Geld als Percebes zu verkaufen (portugiesisch für Trollzeh).

Wir sahen die Dinger also tatsächlich in einem recht ansehnlichen kleinen Fischrestaurant in der Nähe eben jener Trollküsten. Wir konnten dem unwiderstehlichen Anblick schlichtweg unwiderstehen.

Man nimmt die Viecher in die Hand, greift unerschrocken knapp unter die Zehen und zieht den kleinen Sack um den Schlauch ab. Dann knabbert man das nette Wurmfortsätzchen auf. Es schmeckt nach Salz, nach Meer, nach unendlich alten Felsen, nach grünvioletten Fabelwesen mit Witz und Schmitz. Also eigentlich ganz fein.

Hier noch mal das essbare Teil in groß.

Solltet ihr das irgendwo mal sehen, es lohnt sich wirklich, abzubeißen. Und dann könnt ihr euch ja auch eine nette Gruselgeschichte dazu ausdenken.

Auf jeden Fall war uns bei dem Gedanken, diese Dinger jetzt so ganz allein in unseren Bäuchen zu lassen, nicht ganz geheuer. Deshalb haben wir uns diesen Spatz hier noch einverleibt. Der Cantaril wurde gegrillt und schmeckte nach allem, was man sich für einen Tag am Meer so erträumt.

Dazu natürlich am besten ein bisschen Fado, z.B. von Amália Rodrigues

Apples, Hamburg

Wenn man im Hamburger Sommer was zu feiern hat – der Sommer selbst wird’s wohl nie sein – gibt es eine ganz wunderbare Institution. Irgendein Schlauer hat nämlich den Schlemmer Sommer erfunden. Da fürchten tolle Restaurants das Sommerloch und verchecken ihre Menüs für schlappe 60 Euro für zwei. Wir hatten gestern gleich zwei Feiergründe und probierten das Apples aus. Und hüpften danach unglaublich vergnügt nach Hause…

Das Menü:


Kleines Amuse Gueule aus Limetten Panna Cotta und Sockeye Lachs (der uns gleich in der Vorspeise noch mal begegnete). Der Sockeye hat eine festere Konsistenz und schmeckt weniger fischig als der normale Räucherlachs. Die Limettenkresse gab dem Ganzen noch einen guten Schubs in Richtung supadupa. Unbedingt zu empfehlen, werde es definitiv mal nachkochen.

Mein Lieblingsgang: Jede Zutat brachte eine souveräne Note rein: der Lachs, das Merrettich-Eis, die Orangensoße…Die schwarzen Tupfen waren übrigens Knoblauch. Tja und…die Limettenkresse musste wohl weg.

Limetten-Kokos-Chili-Suppe mit karamelisierter Melone. In der Suppe waren auch kleine Melonenstückchen, was das Cremige schön frisch machte. Mmmh! Auch hier die Limettenkresse.

Der Hauptgang bestand aus Perlhuhn mit herrlich knusperiger Haut, Holunderschaum, Pfifferling-Ravioli, Heidekartoffelbrei und Aprikosen. Für meinen Geschmack etwas viel gewollt. Passte alles zu gut zusammen und mir hat was Frisches gefehlt. Die einzelnen Zutaten waren allerdings auf den Punkt und hätten es durchaus verdient gehabt, eine wichtigere Rolle im großen Getöse einzunehmen.

Erdbeeren mit weißer Schoki, Zitronengelee und Zitronenkaramell. Wieder einzeln betrachtet fein, aber in der Kombination doch ein paar Spuren zu süß. Macht nichts, wir gossen mit Lagavulin etwas Torf nach und freuten uns des Lebens.

Funkelnde Verschlürfungen in Paris


La Marine, 55 quai de Valmy


Da weiß man gar nicht, wo man zuerst hingucken soll: Auf den äußerst gelassenen Canal Saint-Martin, das nebulöse Paar am Nebentisch, den neiderregenden Kachelboden oder auf die wahnsinnigen Meeresergüsse auf dem Teller. Mit solchen Entscheidungen könnte ich mich allzeit herumquälen.