Schokokirsch-Aufstrich aus der Heimat

Was für ein Mitbringsel: feinste Schlemmerei vom Dallmayr! Diese Gäste laden wir wieder ein…

Die untere Schicht dieser Meistererfindung besteht aus zarter, recht herber Schokolade. Darüber macht sich eine wunderbare Kirschmarmelade breit. Anscheinend isst man das Ganze als Brotaufstrich. Soweit kam es bei mir noch nicht – sobald der Löffeln drin steckte, landete er direkt im Mund.

Und das Tollste: Von außen sieht man gar nicht … dass innen schon ein gewisser Hohlraum entstanden ist.

Schönes für Feines.

Zum Durchatmen mal was fürs Auge. Diese Dinge verdienen ihren Inhalt:

 

 

Und jetzt liebe Kinder, bitte wegschauen. Da kommt was für Erwachsene:

 

Mein Lieblingskaffeepott:

 

Hasta la pasta siempre: die Pastafrauen.

Man entschuldige den Titel – und konzentriere sich auf folgenden Rat: Unbedingt auf dem Hamburger Ise- oder Goldbekmarkt (vermutlich auch auf allen anderen Wochenmärkten) die Pastafrauen aufsuchen. Möglichst früh, denn das Beste ist schnell weg. Kein Wunder.

Besonders lecker sind die großen Tortelacci. Sie sind jedes Mal mit einer anderen verwegenen Kombination gefüllt und wir haben bis zum heutigen Tag (eingeschlossen) keine schlechten Erfahrungen gemacht. Die Grundzutat Ricotta wurde schon mit Orange und Chili, mit Birne und Salbei, mit Artischocke und Limette u.v.m. probiert und für hinreißend befunden.

Man schmeißt die Tortelacci übrigens einfach in kochendes Wasser, schaltet den Herd aus und lässt sie noch 15-20 Minuten ziehen. Dann kann man sie auf einem Salat servieren oder pur mit Butter und etwas Parmesan. Oder, wie wir heute, auf einer Orangenreduktion. Dazu den Saft von einer Orange und einer halben Zitrone mit einer Chilischote reduzieren lassen und Butter einrühren. Noch kurz köcheln lassen, fertig. Pro Person reichen zwei Stück.

 

Musik dazu: Josh Rouse – Italian Dry Ice

Brunch mit Käse von Thieles Stand auf dem Isemarkt

 

Für Schwiegermamas Besuch wird richtig groß aufgefahren. Da ist das Beste gerade gut genug. Deshalb zum Brunch am Samstagmorgen: Käse-Spezialitäten vom Wochenmarkt.

Mit von der Partie sind zur Hälfte Heilige:

  • Saint Marcellin: Zerfließender Kuhmilch-Traum, gemeinsam mit seinem etwas größeren Verwandten Saint Félicien seit Jahren in meinen Top3 (Geschmack vom Papa geerbt). Leider nicht im Tontopf, aber dennoch auf den Punkt gereift.
  • Pérail des Cabasses: Relativ flüssiger Ziegenmilchkäse, Konsistenz 1A aber geschmacklich für mich persönlich fast einen Tick zu mild, trotz Ziege.
  • Pouligny Saint Pierre: Besteht aus Ziegenmilch, die durch die Zugabe von Lab gerinnt. Danach wird das Ganze pyramidenförmig ein paar Wochen getrocknet. Voller, nussiger Geschmack und tolle Optik aber doch relativ trocken.
  • Saint Vernier: Für mich eine absolute Entdeckung, Kuhmilchkäse aus dem Jura, dessen Rinde täglich mit Weisswein abgerieben wird. Eine Offenbarung, fein ausbalanciertes Aroma, kräftig und dennoch unendlich cremig.
  • Saint Agur: Blauschimmelkäse auf Doppelrahm-Niveau, und das merkt man! Ist ja keine traditionelle Herkunftsbezeichnung, sondern ein Markenname (es gibt den Käse in Frankreich auch in Plastikverpackung im Kühlregal im Supermarkt). Trotz industrieller Produktion perfekt für mich.
  • Brie de Meaux: Der Klassiker aus der Champagne und Julianas (neuer) Lieblingskäse. Wunderbar cremig und auf den Punkt.
  • Reblochon: Definitiv nicht mein Lieblingskäse… Schmeckt zu sehr nach Skistiefeln-Geruch, nicht subtil genug für meine Geschmacksknospen. Übrigens ein wichtiger Bestandteil der Tartiflette, eines Kartoffelauflaufs aus der Savoie — der nach langen Skitagen hingegen genau das Richtige ist.
  • Parmigiano-Reggiano: War ehrlicherweise nur alibi-mäßig auf der Platte, weil der ganze Käse aus dem Kühlschrank raussollte. War gar nicht von Thiele und wurde während des Brunchs auch nicht angerührt. Kam dann dafür aber abends auf den Fenchel-Tortellacci und Möhre-Mandel-Ravioli mit Orangensauce wunderbar zur Geltung. Die waren übrigens von den Pastafrauen, auch sehr empfehlenswerter Stand auf diversen Wochenmärkten in Hamburg.

Fazit: Mission erfüllt, Schwiegermama beeindruckt und selbst geschlemmt ohne Ende. Und der Einkauf ging auch noch nett vonstatten mit einem schier unendlich großen Sortiment sowie sehr kenntnisreichen und sympathischen Mitarbeitern — jeder Käse darf vor dem Kauf (oder Nicht-Kauf) sogar probiert werden. Jede erworbene Käsesorte war auf den Punkt gereift, alles andere ist dann persönlicher Geschmack. Wenn doch der Isemarkt auch am Samstag stattfinden würde, dann müsste man bis zum nächsten Thiele-Schmaus nicht auf einen Freitag mit Home-Office warten. Na ja, vielleicht doch besser für meine Hüften und meinen Geldbeutel.

Kann mich zwischen Fremdpulen und Küche als Kategorie nicht entscheiden, deshalb wird’s einfach in beide gesteckt. Obwohl der Fremdanteil in diesem Falle doch nicht unerheblich ist. Gegenüber der Schwiegermama wird es natürlich andersrum ausgedrückt.

 

Musikempfehlung: The Mamas & the Papas – California Dreaming

 

 

Schlemmer Sommer no. 2: Piment

Diesmal zeigte sich der Schlemmer Sommer leider etwas unmotiviert. Und das, obwohl wir große Erwartungen hatten, das Hamburger Piment kann sich durchaus guter Kritiken – und immerhin eines Michelin Sternes – erfreuen. Beim Schlemmer Sommer aber wurde das Niveau eindeutig dem günstigen Preis angepasst, schade. Wie auch immer, hier ein Schnelldurchlauf.

Kleine Pizza-Teighäppchen als Amuse-Gueule:

Fluffiges Brot mit gesalzener Butter, Karottenpü mit Kreuzkümmel und Humus:

Der Star des Abends: Gebeizter Lachs in einem Zwiebelschaumsüppchen:

 

 

 

 

 

 

 

Ochsenschulter an einfallslosen Kartoffelpü-Bällchen (mal wieder mit Kreuzkümmel) nebst einer Gemüseterrine:

 

 

 

 

 

 

 

Ganz feine Apfeltarte auf Vanillesauce, daneben ein geschmacksneutraler Geleewürfel. Links ein supersüßes Himbeersorbet auf „Pumpernickel“ (leider nur ein ebenfalls übersüßter Schokokeks):

Trollzehennägel: Percebes

 

Ja, es ist eine altbekannte Geschichte, dass Portugals Trolle ihre Zehennägel einst an felsigen Kliffküsten zurücklassen mussten, nachdem sie der Rachegott Igittbao aus dem Nass verjagte. Und noch heute finden emsige Fischer die Nägel, festgesaugt an den Steinen. Sie zerren sie unter wüstesten Anstrengungen an die Oberfläche, um sie für teuer Geld als Percebes zu verkaufen (portugiesisch für Trollzeh).

Wir sahen die Dinger also tatsächlich in einem recht ansehnlichen kleinen Fischrestaurant in der Nähe eben jener Trollküsten. Wir konnten dem unwiderstehlichen Anblick schlichtweg unwiderstehen.

Man nimmt die Viecher in die Hand, greift unerschrocken knapp unter die Zehen und zieht den kleinen Sack um den Schlauch ab. Dann knabbert man das nette Wurmfortsätzchen auf. Es schmeckt nach Salz, nach Meer, nach unendlich alten Felsen, nach grünvioletten Fabelwesen mit Witz und Schmitz. Also eigentlich ganz fein.

Hier noch mal das essbare Teil in groß.

Solltet ihr das irgendwo mal sehen, es lohnt sich wirklich, abzubeißen. Und dann könnt ihr euch ja auch eine nette Gruselgeschichte dazu ausdenken.

Auf jeden Fall war uns bei dem Gedanken, diese Dinger jetzt so ganz allein in unseren Bäuchen zu lassen, nicht ganz geheuer. Deshalb haben wir uns diesen Spatz hier noch einverleibt. Der Cantaril wurde gegrillt und schmeckte nach allem, was man sich für einen Tag am Meer so erträumt.

Dazu natürlich am besten ein bisschen Fado, z.B. von Amália Rodrigues

Apples, Hamburg

Wenn man im Hamburger Sommer was zu feiern hat – der Sommer selbst wird’s wohl nie sein – gibt es eine ganz wunderbare Institution. Irgendein Schlauer hat nämlich den Schlemmer Sommer erfunden. Da fürchten tolle Restaurants das Sommerloch und verchecken ihre Menüs für schlappe 60 Euro für zwei. Wir hatten gestern gleich zwei Feiergründe und probierten das Apples aus. Und hüpften danach unglaublich vergnügt nach Hause…

Das Menü:


Kleines Amuse Gueule aus Limetten Panna Cotta und Sockeye Lachs (der uns gleich in der Vorspeise noch mal begegnete). Der Sockeye hat eine festere Konsistenz und schmeckt weniger fischig als der normale Räucherlachs. Die Limettenkresse gab dem Ganzen noch einen guten Schubs in Richtung supadupa. Unbedingt zu empfehlen, werde es definitiv mal nachkochen.

Mein Lieblingsgang: Jede Zutat brachte eine souveräne Note rein: der Lachs, das Merrettich-Eis, die Orangensoße…Die schwarzen Tupfen waren übrigens Knoblauch. Tja und…die Limettenkresse musste wohl weg.

Limetten-Kokos-Chili-Suppe mit karamelisierter Melone. In der Suppe waren auch kleine Melonenstückchen, was das Cremige schön frisch machte. Mmmh! Auch hier die Limettenkresse.

Der Hauptgang bestand aus Perlhuhn mit herrlich knusperiger Haut, Holunderschaum, Pfifferling-Ravioli, Heidekartoffelbrei und Aprikosen. Für meinen Geschmack etwas viel gewollt. Passte alles zu gut zusammen und mir hat was Frisches gefehlt. Die einzelnen Zutaten waren allerdings auf den Punkt und hätten es durchaus verdient gehabt, eine wichtigere Rolle im großen Getöse einzunehmen.

Erdbeeren mit weißer Schoki, Zitronengelee und Zitronenkaramell. Wieder einzeln betrachtet fein, aber in der Kombination doch ein paar Spuren zu süß. Macht nichts, wir gossen mit Lagavulin etwas Torf nach und freuten uns des Lebens.

Funkelnde Verschlürfungen in Paris


La Marine, 55 quai de Valmy


Da weiß man gar nicht, wo man zuerst hingucken soll: Auf den äußerst gelassenen Canal Saint-Martin, das nebulöse Paar am Nebentisch, den neiderregenden Kachelboden oder auf die wahnsinnigen Meeresergüsse auf dem Teller. Mit solchen Entscheidungen könnte ich mich allzeit herumquälen.