Elli kocht – und wir wollen wieder Kinder sein.

Gestern kamen wir nun endlich mal in den Genuss von Ellis Küche. Elli hat einfach mal gemacht, worüber wohl so mancher in drögen Meetings fantasiert. Wenn im Kopf die Kollegen zu Kochtöpfen und das Geplapper zum Brodeln wird. Der Konfimief zum Küchenaroma… Bei Elli blieb es also nicht beim Kopfkino, sondern sie hat sich als „Köchin, Kochdozentin und Foodstylistin“ selbstständig gemacht (www.ellikocht.de ). Chapeau.

Diese Woche hat sie gemeinsam mit Foodcoach Bea die Tarterie in St. Pauli gekapert. Das sindse:

Jeden Tag gab es Leckereien wie von Omma. Wir kosteten das Gulasch mit Spätzle. Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass meine Oma das allerbeste Gulasch macht – aber das gestrige war auch ziemlich…sehr sehr lecker! Man saß gemeinsam mit anderen netten Leutchen an einem großen Tisch. Und als es ans Dessert ging, kannte man sich schon so gut, dass man auch mal bei den anderen kosten durfte. Zum Beispiel beim kalten Hund:

 

So hatten wir einen ganz und gar feinen Abend. Elli und Bea waren super Gastgeber, die gar nicht aufhören konnten, Foodfanatik und beste Laune zu verströmen. Freu mich auf die nächste Kaperei!

Und zwischendurch besuch ich einfach mal wieder meine Omma.

Brasilien, wir knabbern Dich an!

Weiter geht’s mit unserem kleinen Südamerika-Bericht. In Brasilien muss man vor allem eins: Jede Frucht ausprobieren, die einem unter die Nase kommt. Am einfachsten geht dies in den Saftbars, die es z.B. in Rio überall gibt. Dort bekommt man auch „Acai“. Hierbei handelt es sich um eine Frucht, der wahre Wunderwirkung nachgesagt wird und die ihren Verzehrer ins Land der ewigen Jugend katapultieren soll. Sie wird oft in Form eines süßlich-herben Sorbets angeboten:

Hier mal ein leckeres Rezept:

Zutaten:

  • 100 g Banane
  • 150 ml Apfel- oder Orangensaft
  • ca. 30 ml Guarana-Sirup oder Honig
  • 200 g Acai-Mark (gibt’s in guten Reformhäusern)
  • ein paar Eiswürfel

Alle Zutaten in einem Mixer mit etwas Eis zu einem Sorbet verquirlen, in einer Schale servieren und mit Bananenscheiben und Knuspermüsli garnieren.

Wir genossen es jedenfalls sehr und freuen uns schon auf die ewige Jugend.

Tja, und dann haben die Brasilianer – zumindest in Rio und Porto Alegre – ein Faible für fettige, teigige, meist frittierte Schweinereien. Überall gibt es zum Beispiel Pao de Queijo, kleine Brötchen mit Käsefüllung. Lecker!

Lustig ist die brasilianische Grillkultur (churrasco). Das Fleisch kommt nämlich nicht aufs Rost, sondern man spießt alles auf – vom Würstchen bis zum Filet. Die Spieße werden dann über die Glut gehängt.

Im Restaurant werden diese Spieße direkt an den Tisch gebracht und man darf sich genau aussuchen, welches Stück man gerne hätte. Wer jetzt Döner sagt, wird aufgespießt.

Insgesamt sind uns in Brasilien keine geschmacklichen Offenbarungen begegnet. Uns hat oft der gewisse Tick, ein spannendes Gewürz oder eine raffinierte Zubereitung gefehlt. Das tolle Fleisch und die Vielfalt der Früchte und Gemüsesorten konnten uns aber ganz gut entschädigen…

Musik zum Churrasco: Sergio Mendes – Mas que nada

Argentinien, wir knabbern Dich an.

 

Nein nein, uns hat kein quälender, fieser Tod herniedergerafft, dessen plötzliches Eintreten man bei der ein oder anderen Überfressung manchmal vermutet. Nein, wir waren  verreist. Und wie. Natürlich (auch) im Zeichen der Kulinarik. Und wir haben was mitgebracht: eine kleine Sammlung argentinischer und brasilianischer Schmakazien. Heute zu Ersteren.

Begonnen haben wir unseren Trip mit der besten Entscheidung, seit es Steaks gibt: Wir sind in La Cabrera in Buenos Aires eingekehrt. Leider nur mit der Handykamera, die ganze unverschämte Leckerheit könnte ein Foto aber sowieso nicht rüberbringen:

Etwas verwunderlich fanden wir, dass man immer erst umständlich erklären muss, dass man sein Steak rosa und möglichst dick möchte. Sonst kommt es dünn und durch. Das auf dem Foto ist ein Bife de lomo, also Filet. Dazu gab’s im La Cabrera allerhand Sößchen und Mini-Beilagen, z.B. Süßkartoffel- und Erbsenpüree, Apfelmus, Artischocken, Kürbis und Palmenherzen. Aus den „palmitos“ gab es auch oft einen feinen Salat mit Mayonnaise und Ananas.

Und noch eine weitere Trip-Advisor-Empfehlung können wir durchaus weitergeben: La Brigada. Auch hier wunderbare Steaks. Für Fußballbegeisterte hat Las Cabras aber noch ein paar weitere Leckerbissen in petto: Wände, Decken und Regale strotzen vor Vereinsschals, Reliquien, Fotos und Medaillen und lassen den Kauenden in den schönsten Momenten der Fußballgeschichte schwelgen.

Frühstücken gingen wir am nächsten Tag im traditionsreichen La Briera. Man sollte aber auf jeden Fall reingehen, draußen sieht es aus wie ein plastikaffines Schnellcafé. Wir bestellten die Klassiker: Medialunas (kleine zuckrige Croissants) und Toast mit Dulce de Leche (Creme aus eingekochter gesüßter Kondensmilch). Eins ist uns sehr schnell klar geworden, ohne Dulce de Leche geht in Argentinien gar nichts, es wird einfach überall reingepackt.

Als köstlichen Snack haben wir das Pan de Miga kennen und vergöttern gelernt. Es handelt sich um die argentinische Variante der Tramezzini. Man kann sie quasi per Quadratmeter in allerlei Imbissbuden kaufen. Oder wie wir als Aperitif zum Bier. Mit luftgetrocknetem Schinken und hauchdünnem Käse.

Eine weitere italienische Spezialität, die es in Argentinien überall gibt, sind die Sorrentinos. Man könnte sie als eine Art große, runde Ravioli beschreiben. Sie kommen immer in so viel Soße, dass sie schon fast zur Suppeneinlage werden. In unserem Fall schwammen sie in einer recht hammelig schmeckenden Lammsoße.

Auch ein Getränk darf natürlich in Argentinien – übrigens auch im Süden Brasiliens – nicht fehlen: der Mate. Je öfter wir ihn irgendwo angeboten bekamen, desto mehr Regeln wurden uns bewusst. Gar nicht so einfach. Der Mate wird zubereitet, indem man die Teeblätter in eine Mate – ein kleines Gefäß aus Kürbis, Holz oder Metall – füllt und dieses dann immer wieder mit heißem Wasser übergießt. Der Tee geht dann reihum und wird aus der Bombilla, einem kleinen Metallröhrchen, geschlürft. Man darf sich niemals bedanken, wenn man den Mate überreicht bekommt, es sei denn, man möchte nicht mehr. Das allerdings sollte man vor der dritten Runde vermeiden, sonst könnte sich der fleißige Matemacher beleidigt fühlen.

So sieht übrigens der Mate aus, wenn er noch fröhlich am am Strauch baumelt:

Von Buenos Aires ging es weiter nach Patagonien. In dem kleinen Dörfchen El Calafate machten wir uns mal an eine richtige Schlachterplatte. Und neben uns hingen die Lämmer:

Nach diesem Hochgenuss war aber erst mal Schluss. Es ging für fünf Tage in die Berge – bewaffnet mit einem Gaskocher und einer großen Tüte voller Trockennahrung. Hätte nicht gedacht, wie schnell einem Tütensuppen auf den Wecker gehen. Bei der nächsten Wanderaktion werde ich jedenfalls nur noch asiatische Fertigsuppen mitnehmen. Deren Inhaltsstoffe sind zwar noch kryptischer als bei Knorr, aber dafür schmecken sie besser. Unser Frühstück war aber immer ganz lecker – Haferbrei mit Kakao. Dafür bin ich tatsächlich freiwillig aus dem Zelt in den Regen rausgekrochen.

Gar nicht so viel exklusiver ist die Spezialität unserer nächsten Etappe, Cordoba. Das sogenannte Lomito ist ein Sandwich mit dünn geschnittenem Steak und einem Ei drauf. Man darf vielleicht schlussfolgern, dass Cordoba aus kulinarischer Sicht eher zu vernachlässigen ist. Trotzdem, hier ist das Lomito:

Zu guter Letzt gibt es noch eine wirklich wirklich gute Restaurantempfehlung. Sollte es Euch jemals nach Bariloche verschlagen – und auch das ist empfehlenswert – dann macht Euch auf den Weg zum Almacen de Sabores. Es gibt für ca. 20 Euro ein wunderbares Degustationsmenü, das uns sicher noch lange in bester Erinnerung bleibt. Das Risotto in Nusskruste beispielsweise wird es bestimmt zu einem weiteren Eintrag schaffen – wenn wir versuchen, es nachzukochen.

So, jetzt aber gute Nacht! Achja, hier noch ein schönes Liedchen: Mi Buenos Aires querido

Schokokirsch-Aufstrich aus der Heimat

Was für ein Mitbringsel: feinste Schlemmerei vom Dallmayr! Diese Gäste laden wir wieder ein…

Die untere Schicht dieser Meistererfindung besteht aus zarter, recht herber Schokolade. Darüber macht sich eine wunderbare Kirschmarmelade breit. Anscheinend isst man das Ganze als Brotaufstrich. Soweit kam es bei mir noch nicht – sobald der Löffeln drin steckte, landete er direkt im Mund.

Und das Tollste: Von außen sieht man gar nicht … dass innen schon ein gewisser Hohlraum entstanden ist.

Schönes für Feines.

Zum Durchatmen mal was fürs Auge. Diese Dinge verdienen ihren Inhalt:

 

 

Und jetzt liebe Kinder, bitte wegschauen. Da kommt was für Erwachsene:

 

Mein Lieblingskaffeepott:

 

Hasta la pasta siempre: die Pastafrauen.

Man entschuldige den Titel – und konzentriere sich auf folgenden Rat: Unbedingt auf dem Hamburger Ise- oder Goldbekmarkt (vermutlich auch auf allen anderen Wochenmärkten) die Pastafrauen aufsuchen. Möglichst früh, denn das Beste ist schnell weg. Kein Wunder.

Besonders lecker sind die großen Tortelacci. Sie sind jedes Mal mit einer anderen verwegenen Kombination gefüllt und wir haben bis zum heutigen Tag (eingeschlossen) keine schlechten Erfahrungen gemacht. Die Grundzutat Ricotta wurde schon mit Orange und Chili, mit Birne und Salbei, mit Artischocke und Limette u.v.m. probiert und für hinreißend befunden.

Man schmeißt die Tortelacci übrigens einfach in kochendes Wasser, schaltet den Herd aus und lässt sie noch 15-20 Minuten ziehen. Dann kann man sie auf einem Salat servieren oder pur mit Butter und etwas Parmesan. Oder, wie wir heute, auf einer Orangenreduktion. Dazu den Saft von einer Orange und einer halben Zitrone mit einer Chilischote reduzieren lassen und Butter einrühren. Noch kurz köcheln lassen, fertig. Pro Person reichen zwei Stück.

 

Musik dazu: Josh Rouse – Italian Dry Ice

Brunch mit Käse von Thieles Stand auf dem Isemarkt

 

Für Schwiegermamas Besuch wird richtig groß aufgefahren. Da ist das Beste gerade gut genug. Deshalb zum Brunch am Samstagmorgen: Käse-Spezialitäten vom Wochenmarkt.

Mit von der Partie sind zur Hälfte Heilige:

  • Saint Marcellin: Zerfließender Kuhmilch-Traum, gemeinsam mit seinem etwas größeren Verwandten Saint Félicien seit Jahren in meinen Top3 (Geschmack vom Papa geerbt). Leider nicht im Tontopf, aber dennoch auf den Punkt gereift.
  • Pérail des Cabasses: Relativ flüssiger Ziegenmilchkäse, Konsistenz 1A aber geschmacklich für mich persönlich fast einen Tick zu mild, trotz Ziege.
  • Pouligny Saint Pierre: Besteht aus Ziegenmilch, die durch die Zugabe von Lab gerinnt. Danach wird das Ganze pyramidenförmig ein paar Wochen getrocknet. Voller, nussiger Geschmack und tolle Optik aber doch relativ trocken.
  • Saint Vernier: Für mich eine absolute Entdeckung, Kuhmilchkäse aus dem Jura, dessen Rinde täglich mit Weisswein abgerieben wird. Eine Offenbarung, fein ausbalanciertes Aroma, kräftig und dennoch unendlich cremig.
  • Saint Agur: Blauschimmelkäse auf Doppelrahm-Niveau, und das merkt man! Ist ja keine traditionelle Herkunftsbezeichnung, sondern ein Markenname (es gibt den Käse in Frankreich auch in Plastikverpackung im Kühlregal im Supermarkt). Trotz industrieller Produktion perfekt für mich.
  • Brie de Meaux: Der Klassiker aus der Champagne und Julianas (neuer) Lieblingskäse. Wunderbar cremig und auf den Punkt.
  • Reblochon: Definitiv nicht mein Lieblingskäse… Schmeckt zu sehr nach Skistiefeln-Geruch, nicht subtil genug für meine Geschmacksknospen. Übrigens ein wichtiger Bestandteil der Tartiflette, eines Kartoffelauflaufs aus der Savoie — der nach langen Skitagen hingegen genau das Richtige ist.
  • Parmigiano-Reggiano: War ehrlicherweise nur alibi-mäßig auf der Platte, weil der ganze Käse aus dem Kühlschrank raussollte. War gar nicht von Thiele und wurde während des Brunchs auch nicht angerührt. Kam dann dafür aber abends auf den Fenchel-Tortellacci und Möhre-Mandel-Ravioli mit Orangensauce wunderbar zur Geltung. Die waren übrigens von den Pastafrauen, auch sehr empfehlenswerter Stand auf diversen Wochenmärkten in Hamburg.

Fazit: Mission erfüllt, Schwiegermama beeindruckt und selbst geschlemmt ohne Ende. Und der Einkauf ging auch noch nett vonstatten mit einem schier unendlich großen Sortiment sowie sehr kenntnisreichen und sympathischen Mitarbeitern — jeder Käse darf vor dem Kauf (oder Nicht-Kauf) sogar probiert werden. Jede erworbene Käsesorte war auf den Punkt gereift, alles andere ist dann persönlicher Geschmack. Wenn doch der Isemarkt auch am Samstag stattfinden würde, dann müsste man bis zum nächsten Thiele-Schmaus nicht auf einen Freitag mit Home-Office warten. Na ja, vielleicht doch besser für meine Hüften und meinen Geldbeutel.

Kann mich zwischen Fremdpulen und Küche als Kategorie nicht entscheiden, deshalb wird’s einfach in beide gesteckt. Obwohl der Fremdanteil in diesem Falle doch nicht unerheblich ist. Gegenüber der Schwiegermama wird es natürlich andersrum ausgedrückt.

 

Musikempfehlung: The Mamas & the Papas – California Dreaming