Heute brau ich …

 

… mir drei ganz feine Käffchen …

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass ich beim Thema Kaffee empfindlich bin. Eine äußerst unsympathische Marketingwalze macht mir seit Längerem schlechte Laune. Sie lässt das fantastische Gebräu oft so außerordentlich unwürdig daherkommen. In enorm fragwürdigen fröhlich-bunten Alukapseln. In größenwahnsinnigen Pappbechern. Mit Milch auf eine piefige Nuance reduziert. Gern auch noch mit Karamellpampe zugepappt.

Umso schöner, dass neulich ein Probierpaket der Firma Coffee Circle (www.coffeecircle.com) ins Haus flatterte. Schon der erste Eindruck war sehr verlockend: schickes Design, keine Spur von Kapseln. Die pure, ganze Bohne in drei Sorten:

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Und dann lag da noch etwas im Paket, das mir von Berufs wegen gleich auf- und gefiel. Eine hübsche, ausführliche Broschüre, der man anmerkt, dass da wahre Kaffeeliebhaber am Werk sind. Ich fing an zu lesen, wechselte irgendwann ins Internet und informierte mich gefühlte fünf Stunden über Kaffee. Ich lernte z.B., dass eine Kaffeepflanze drei Jahre wachsen muss, bevor sie Früchte trägt. Und dass nur zwei der rund 60 Kaffeesorten am Weltmarkt angeboten werden: Arabica und Canephora. Ob man die anderen wohl auch mal irgendwo kosten kann? Außerdem war mir gar nicht bewusst, was man beim Thema Kaffee aufbewahren alles beachten sollte. Mein persönlicher Tipp ist ja: offene Packungen immer ins Gefrierfach.

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Ach, ich mag das. Das mit dem “Nimm Dir Zeit”. Dazu passt auch meine kleine Kaffeemühle von der Uroma, die ich endlich mal wieder befüllte und genüsslich an ihr drehte. Spaß macht das.

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So. Begonnen habe ich gleich – wie sich natürlich erst hinterher herausstellte – mit meinem Favoriten: Limu. Recht mild und im guten Sinne “interessant”. Locker-leicht und völlig unkompliziert. Passt zu einem Picknick auf einer frischen Sommerwiese.

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Als nächstes war Yirgacheffe an der Reihe. (Die Kaffees werden übrigens bei Coffee Circle alle nach dem Ort ihres Anbaus benannt.) Yirgacheffe schmeckte etwas satter und gesetzter. Erwachsener vielleicht. Statt Blumenwiese stelle ich mir hier eher ein Straßenkaffee vor, in dem ältere Männer streiten und witzeln und der Sonne ihre Nasen entgegenrunzeln.

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Als Letztes stand der Espresso an. Dazu muss man sagen, dass es sich bei mir nun nicht wirklich um Espresso handelte, da ich meinen Kaffee generell mit einer Mokkakanne koche. Dabei durchzieht der Wasserdampf den Kaffee ja relativ langsam – beim Espresso hingegen muss das Wasser bekanntlich mit viel Druck durch das Kaffeepulver gepresst werden.

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Außerdem habe ich durch die Mahlung in meiner Mühle ein recht grobes Pulver bekommen. Somit musste ich auf eine Crema verzichten. Dennoch, der Espresso hat gemundet. Was kurios war: Ich hatte bei dem Geschmack unglaublich Lust auf ein Stück getrocknete Salami.

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Insgesamt fand ich die drei Sorten sehr besonders. Vielleicht war ich schon etwas gebrainwasht von der Tatsache, dass alle drei Kaffees in Waldgärten wachsen. Aber genau diesen Eindruck hatte ich: natürlich, blumig, waldig, ehrlich. Und so angenehm leichtfüßig und beschwingt.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Coffee Circle für die kostenlose Bereitstellung des Kaffees. Natürlich wurde ich wie immer für diesen Artikel nicht bezahlt und habe nur meine ganz persönliche Meinung wiedergegeben.

Als musikalische Begleitung empfehle ich einen kleinen Ausflug ins Heimatland der drei Kaffeesorten – nach Äthiopien: Kassahun Taye Aka Sora Yenesu

Herbstmenü Teil 1: Cocktail “Autumn Gin” und Apfel-Sellerie-Schäumchen

 

Zeit wirds für ein ordentliches Herbstdinner. Hier kommt unser Menüvorschlag – neulich erprobt und für lecker befunden.

Der Aperitif: Autumn Gin

Gut, dieser Cocktail ist schon fast nach-herbstlich, aber der Gin neutralisiert die weihnachtliche Zimtigkeit. Zunächst wird ein Sirup hergestellt. Die Mengenangaben sind für mehr, als man braucht, den Rest könnt ihr aufbewahren für schlechte Zeiten.

Zutaten für den Simple Syrup:

  • 400 g Zucker
  • 400 ml Wasser
  • 7 Zimtstangen
  • 15 Nelken
  • 10 Sternanis-Sterne

Alles zusammen in einen Topf geben und etwa eine Stunde lang aufkochen, bis der Sirup gold-braun ist. Dann könnt ihr ihn in schöne Fläschchen füllen.

 

 
Zutaten für den Cocktail (pro Glas):

  • 2 cl Simple Syrup (s.o.)
  • 4 cl Gin (z.B. Hendricks)
  • 50 ml Cider
  • 50 ml naturtrüben Apfelsaft
  • Eiswürfel
Deko

  • 1 Thymianzweig
  • 1 Apfelscheibe
  • Eiswürfel

Sooo, jetzt kommt der Angeber-Part. Wenn alle Gäste versammelt sind und euch gespannt-durstig anblicken – zückt ihr den Shaker und schüttelt alle Zutaten kräftig durch. Dabei mit der Hüfte wackeln. Dann verteilt ihr alles mit zugehörigem Pokerface in schicken Tumblern. Thymianzweig und Apfelscheibe rein, 1-2 Eiswürfel dazu, fertig.

Und damit sie euch jetzt nicht alle jodelnd auf die Tische springen, solltet ihr das Amuse-Bouche schon bereithalten.

 

Das Amuse-Bouche: Apfel-Sellerie-Schäumchen mit Gamba

Zutaten:

  • 300 g Sellerieknolle
  • 1 Apfel
  • 30 g Butter
  • 100 ml naturtrüber Apfelsaft
  • 50 ml Weißwein
  • 500 ml Gemüsefond
  • 200 ml Sahne
  • 1 Spritzer Zitrone
  • Salz, Pfeffer
  • 4 Gambas
  • Olivenöl
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Chili
  • 1 TL Ahornsirup

Wir haben hierzu ein Rezept von Lafer als Grundlage genommen und etwas abgeändert.

Zunächst den Sellerie und den Apfel schälen, würfeln und in der Butter anschwitzen. Mit Apfelwein ablöschen und dann mit Fond und Sahne aufgießen. Bei mittlerer Hitze köcheln lassen.

Jetzt wird alles ordentlich mit einem Mixer püriert und dann durchgesiebt. Mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft würzen. Anschließend die Butter unterrühren und das Süppchen in einen Siphon füllen. (alternativ vor dem Servieren mit einem Schneebesen schaumig schlagen).

Kleine Tässchen vorwärmen (bei 50° im Backofen oder mit heißem Wasser füllen).

Das Olivenöl erhitzen und die Gambas gemeinsam mit dem Knoblauch und der Chili scharf anbraten (nicht zu lange!).

Ganz zum Schluss den Ahornsirup dazugeben und die Gambas kurz darin schwenken.

Jetzt könnt ihr die Suppe aus dem Siphon in die Tässchen spritzen. Die Gambas spiest ihr auf Zahnstocher – oder schöneres Werkzeug, wenn ihr habt – und hängt sie schön über die Suppe. Damit dürfte das erste Lächeln auf den Gästegesichtern aufflackern.

Musi dazu: The Cure – Boys don’t cry

Oh Sherry…

 

Lasst uns den Hamburger “Sommer” mit ein paar prozentigen Urlaubserinnerungen wärmen. Manch einer erinnert sich vielleicht noch, wir testeten vor Kurzem andalusische Küchenkunst und ich versprach noch einen Nachtrag über den Sherry. Los gehts.

Wir besuchten den Klassiker in Jerez, die Bodega Gonzales Byass („Tío Pepe“). Seit ihrer Gründung im Jahr 1835 arbeitet man dort nach der traditionellen Herstellungsprozedur: Die Fässer werden in mehreren Lagen gestapelt, wobei der Reifegrad von oben nach unten steigt. Der Sherry wechselt dann nach einem recht lustigen System im Laufe der Zeit immer wieder die Fässer.

Rechts ist das Anbaugebiet der Palminotraube zu sehen: die Gemeinden Jerez, El Puerto de Santa Maria und Sanlúcar de Barrameda – hübsch eingerahmt von den Flüssen Guadalquivir und Guadalete und dem Atlantik. Auf dem dortigen Kalkboden fühlen sich die Reben besonders wohl, denn er kann wahnsinnig lange Wasser speichern.  

Wir überspringen jetzt mal den ganzen Reifeprozess und finden uns direkt vor einer verlockenden Reihe verschiedenster Sherrysorten wieder. Eins kann ich sagen, mein sparsames Gemüt konnte einfach keinen Tropfen stehen lassen und ich nahm tatsächlich jedes Prozentchen in mir auf. Ein schlaues Konzept der Bodegisten war, mich danach noch durch den Giftshop zu führen.

 vlnr: Pale Cream (der Helle), Amontillado, Pedro Ximénez, Fino, Manzanilla

 

Hier mal die wichtigsten Fakten der wichtigsten Sorten:

Fino

Relativ trocken und hell, eignet sich super als Aperitiv.  Unser guter Tío Pepe ist ein hervorragender Vertreter. Der Fino reift unter einer “Flor”, einer Bakterienschicht an der Oberfläche des Sherry, so dass er keinem Sauerstoff ausgesetzt ist. Alkohol so 15%.

Manzanilla
Auch ein Fino, kommt aber ausschließlich aus Sanlúcar de Barramed. Er schmeckt etwas bitter und salzig und hat ein bisschen weniger Alkohol. Außerdem gibt’s noch den Manzanilla Pasada, der etwas länger reift. Die Flor bekommt Löcher, Luft gelangt an den Sherry und er wird prompt etwas dunkler und kräftiger.

Amontillado
Und noch ein Fino. Hier stirbt die Florschicht entweder altersbedingt – das ist dann der Echte – oder künstlich durch Hinzugabe von Alkohol. Entsprechend dunkel – bis mahagonifarben – ist der Sherry. Der Geschmack ist nussig und trocken. Hier muss man aufpassen, denn der Gute kann schon mal bis zu 22% Alkohol an seinen Koster abgeben!

Oloroso
Schluss mit Fino, Schloss mit Flor. Beim Oloroso zum Beispiel wird die Flor eliminiert, dadurch oxidiert der Wein und außerdem frisst niemand den Zucker weg. Der Oloroso ist dunkel und nussig mit ca. 19% Alkohol.

Palo Cortado
Ein mahagonifarbener Sherry, der eher selten ist. Frisch und dennoch voll und nussig. Es handelt sich ursprünglich um einen Amontillado, diesem wurde dann aber irgendwann die Flor gekillt. Entsprechend hoch ist auch hier der Alkoholgehalt.

Cream
Für den Cream wird ein Oloroso mit Pedro Ximénez oder Traubenmost versetzt. Er ist relativ süß und normalerweise rubinrot, es sei denn, es ist ein heller “Pale Cream”, bei dem die Farbe durch Aktivkohle weggefiltert wurde. Bis zu 18% Alkohol.

Pedro Ximénez
Wird aus der gleichnamigen Traube hergestellt und ist nichts für harte Kerle. Sehr süß, sehr dunkel, schmeckt leicht nach Rosinen. Ca. 17% Alkohol.

 

Und wer sich jetzt nach all den Infos ganz trunken fühlt, der darf sich über ein schönes Abschiedsgeschichtlein freuen: Denn das kleine Bodega-Mäuschen muss auch nicht darben. Für sie steht immer ein netter kleiner Gabentisch mit Sherry und Käse bereit.

Hinter einer Ecke habe ich die Maus gesehen. Sie lag völlig bedudelt in der Siestasonne und pfiff zwischen ihren zwei Zähnchen die Titelmelodie von „El Cid“. Leider hat meine Kamera just in diesem Bilderbuchmoment einen Aussetzer gehabt. Aber das Lied gibt’s hier als heutige Musikempfehlung: El Cid.

Oooh Schoko-Lollipop!

Es wird kalt, wir brauchen was Warmes. Was Kakaoiges. Etwas, was die Würze des Südens ins Stübchen bringt. Meine Empfehlung: selbstgemachte Schokolollies. Sie sind ganz schnell herzustellen und werden dann einfach in heiße Milch eingerührt. Auch als Geschenk bestens geeignet.

Man nimmt also reichlich Schokolade mit möglichst hohem Kakaogehalt – keine Kuvertüre. Diese schmilzt man im Wasserbad und rührt nach Belieben Gewürze in Pulverform ein, z.B. Kardamom, Zimt, Anis, Chili …

Jetzt füllt man die Schoki in Eiswürfelbehälter und steckt kleine Plastiklöffelchen rein.

Vor allem der Optik halber kann man nun noch Lavendelblüten, Nüsse oder kleine getrocknete Pflaumenstückchen draufsetzen. Dann ab in den Kühlschrank damit. Wenn die Schokolade fest ist, sind die Lollies fertig und können mit ein wenig Fingerspitzengefühl aus den Behältern gezogen werden. So, jetzt schnell in die Milch und rühren, rühren, schlürfen!

Auch das Ohr soll mitgenießen. Dazu am besten Moneybrother – Stormy Weather.