1 Jahr Zero Waste – Tipps & Flops

Vor etwa einem Jahr gab es wieder mal so einen Tag, der ganz unscheinbar daher kam und doch das Leben ein bisschen veränderte. Wir haben eher zufällig den Ohne-Laden in München ausprobiert. Schon lange waren wir, wie ja irgendwie fast jeder, genervt vom überfüllten Müllsack, der sich nach normalen Supermarkteinkäufen ergab.

Dieser Ohne-Besuch hat eine ganze Lawine losgetreten. Wir haben uns eingelesen (z. B. in diesem guten Buch), Zero-Waster auf YouTube verfolgt und ganz viel ausprobiert. Wer will, darf gleich zu den Tipps & Flops springen. Oder erstmal ein paar

Erkenntnisse

1. Zero Waste ist eine Lüge.

Ganz ehrlich, ohne Müll lebt kein Mensch, zumindest nicht in unseren Breitengraden. Da kann man sein typisches Einmachglas voller Jahresmüll noch so hübsch inszenieren. Wir alle haben Elektrogeräte, die früher oder später unwiederbringlich ihren Geist aufgeben. Auch ein noch so oft recycelter Stoff ist irgendwann müllreif. Beim Arztbesuch kann man sich kaum gegen Einwegprodukte wehren. Kontaktlinsenflüssigkeitsflaschen, final durchgewetzter Schuh, zerbrochenes Glas. Müll. Aber:

2. Macht ja nix.

Nur weil man früher oder später scheitert, heißt das nicht, es nicht immer wieder zu versuchen – und dabei doch auch ganz schön oft erfolgreich zu sein. Dann halt Low Waste. Wir haben immer noch einen Restmüll, nur ist dieser mittlerweile einfach echt klein. Und beim Thema Müllsparen strahlt die 80-20-Regel. Mit 20 Prozent des Einsatzes lassen sich oft 80 Prozent des Ergebnisses erreichen. Allein dadurch beispielsweise, dass wir Milchprodukte, wenn möglich und sinnvoll, in Flaschen kaufen, Drogerieartikel weglassen oder selber machen und Obst & Gemüse öfter vom Markt/Gemüsehändler kaufen, sparen wir schon enorm viel Plastik. Und das ohne besondere Anstrengung. Irgendwo kann man immer anfangen und einfach ein bisschen was verbessern. Wenn jeder nur so viel tut, wie es sich gut anfühlt, bringt das mehr, als wenn ein paar bis zum Äußersten gehen – und bald entnervt das Handtuch (weg-)werfen.

3. Top-Karma

Mein persönliches Unwort: Gutmensch. Denn es schwingt auf alle über, die einfach wirklich, im Rahmen der Möglichkeiten, was Gutes machen wollen. Ich denk da immer an die Kleine Hexe, die versuchen wollte, eine gute Hexe zu werden. Das ist doch was Schönes. Ja, es ist einfacher, sich über die Umwelt Gedanken zu machen, wenn man sonst wenig Sorgen hat. Ja, es gibt auch ganz ganz viele andere Themen auf der Welt, um die man sich mal kümmern sollte. Nein, man braucht sich nicht überlegen fühlen, wenn man plastikfrei einkauft. Aber: Man darf sich gut fühlen, wenn man sich Gedanken macht und nicht immer so handelt, wie es am bequemsten ist. Nicht besser, aber gut.

4. Verzicht als Wellness

Zero-Waste-Guru Bea Johnson hat mal fünf Prinzipien aufgestellt: Refuse, Reduce, Reuse, Recycle, Rot. Davon ist „Reduce“ für mich das wichtigste. Man muss gar nicht tiefer in die Kapitalismuskritik einsteigen, um zu sehen, dass etwas weniger Konsum ziemlich super ist. Die Umwelt ist nur ein Aspekt, gleichzeitig aber wird das Leben übersichtlicher, man spart Geld und, grade in Städten wie München nicht zu verachten, Platz. Der Zeitfaktor läuft wohl insgesamt auf Null raus – einerseits ist man nicht ständig mit Einkaufen beschäftigt, andererseits denkt man aber über das, was man kauft, viel intensiver nach. Ich weiß noch, wie ich der Suche nach der perfekten Frühstücksbox mal einen ganzen Vormittag widmen musste. Übrigens würde ich den Fünfklang von Frau Johnson frei nach Aretha Franklin noch um ein Respect ergänzen. Wenn man Dinge wertschätzt, fällt automatisch weniger Müll an. Ob es um das etwas langsamer gewordene Handy geht, das man aber liebgewonnen hat und einfach weiternutzt (obwohl man laut Vertrag ein Neues bekommt), oder um die Paprika, der man nicht gleich den ganzen Kopf wegsäbelt, wenn man den Strunk entfernen will. Das finde ich bei Fernsehköchen oft ziemlich schräg, alle erzählen was von der Mega-Qualität ihrer Produkte und schmeißen dann bei der Zubereitung die Hälfte weg.

5. Yeah und so

Mir macht  es auch einfach Spaß, mich mit einem neuen Lebensstil zu beschäftigen und Sachen auszuprobieren. Bei der Recherche hab ich so viel erfahren, von spannenden Leuten gehört, neue Impulse bekommen.

 

Tipps und Flops

Wie das wohl meistens so ist, haben wir ziemlich ambitioniert losgelegt, um dann immer wieder nachzujustieren und vieles auch als zu anstrengend oder auch letztendlich als blödsinnig zu verwerfen. Hier mal ein kleiner Einblick:

1. Was wir gut finden und weitermachen

  • DeoWaschmittelBadreiniger selber machen (Rezepte folgen)
  • Spülmaschinenpulver statt Tabs verwenden
  • Shampooseife verwenden (wir finden die ShampooBits gut)
  • Auf Duschgel verzichten (wer stinkt schon noch nach dem Waschen mit Wasser?)
  • Dinge reparieren (lassen). Man findet immer wieder supernette Tüftler, die ihre Dienste für wenig Geld anbieten. Außerdem gibt’s in den größeren Städten häufig ein „Haus der Eigenarbeit“ oder ähnliches (in München: www.hei-muenchen.de), wo man selber reparieren kann oder sich eben einen supernetten Tüftler sucht, den man mit Kuchen besticht. Erstaunlich oft kann man Sachen auch durch kurzes Googlen wieder hinbekommen, man muss sich nur trauen.
  • Partout keine Plastiktüten – das heißt auch, immer wieder hartnäckig zu protestieren, wenn z. B. Gemüsehändler alles schnell eintüten wollen. Man kommt sich doof und pedantisch vor, aber egal.
  • Alle Tüten, die sich nicht ohne Weiteres vermeiden lassen (z. B. Verpackung von Klopapier), als Mülltüten verwenden
  • Tupperdosen mit zum Einkaufen nehmen (z. B. für Käse, Wurst, offenes Zeug halt)
  • Möglichst kein Obst und Gemüse kaufen, das in Plastik verpackt ist (toll ist, dass viele Supermärkte wie Rewe und Edeka immer mehr auf Plastik verzichten)
  • Milch, Sahne und Joghurt in Glasflaschen kaufen
  • Schnippelreste von rohem Gemüse und Fleischreste wie Knochen und Fett einfrieren und Brühe daraus kochen
  • Überhaupt Lebensmittel einfrieren, bevor sie drohen, schlecht zu werden
  • Stofflappen statt Papier-Küchentücher
  • Wachspapier statt Alu-/Klarsichtfolie
  • Gebraucht kaufen, z. B. Spielzeug, Möbel, Sportgeräte …
  • Beim Essengehen eine Tupperbox dabeihaben fürs Doggy Bag
  • Werbebroschüren, Vereinszeitschriften etc. abbestellen
2. Was wir probiert und wieder verworfen haben

  • Bei allem, was unter 1. steht, immer total konsequent sein. Manchmal stellt man auch fest, dass der absolute Kampf für das eine an anderer Stelle wieder schadet. Wird ja immer schwierig, wenn’s ums Prinzip geht.
  • Statt Tupper Glasgefäße verwenden > nach drei zerbrochenen Glasgefäßen in der Tasche reicht’s. Für zuhause ist Glas dagegen natürlich super und auch einfach viel schöner.
  • Stofftaschentücher statt Tempos nehmen, zumindest beim zarten Sohnemannnäschen war das nicht gut.
  • Shampooseife selber machen, war zu aufwendig und nicht so gut wie die gekaufte

Habt Ihr noch Ideen und Tipps? Ab damit in die Kommentare!

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